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Aus der Emder Zeitung vom April 2004

baptistisch


Von ERNST BOHNET, Pastor der evangelisch-freikirchlichen Gemeinde Emden

Vor Jahren besichtigten wir mit einer Reisegruppe die Verkündigungskirche in Nazareth. Als wir um ein ca. zweieinhalb Meter langes, rechteckiges Bassin standen, war ein Mönch so freundlich, einige Erklärungen zu geben: Was wir sahen, war ein Baptisterium, ein Taufbecken, das im zweiten und dritten Jahrhundert benutzt worden war. Es war eine handgreiflich-archäologische Illustration dafür, dass im Urchristentum nicht kleine Kinder, sondern Erwachsene und Jugendliche getauft wurden.
Dabei geht es weniger um das Alter als um den persönlichen Glauben. Seit der Reformationszeit haben Bibelleser dies wieder neu entdeckt. Manche zogen daraus praktischen Konsequenzen:
in der Großen Kirche befindet sich eine Gedenktafel, dass sich dort einmal 300 Menschen taufen ließen. Von den herrschenden Kirchen wurde diese Bewegung unterdrückt und verfolgt.
Die eigentlichen Baptisten entstanden vor 300 Jahren während der englischen Revolution. Manche wanderten nach Nordamerika aus, wo noch heute zahlenmäßig das Zentrum der Bewegung liegt, die sich inzwischen längst auf der ganzen Welt verbreitet hat. Ihren Namen "Baptisten", was soviel wie "Täufer" bedeutet, haben ihnen andere gegeben. Sie selbst wollten nichts anderes sein als evangelische Christen, die den Weg der Reformation konsequent weitergehen, um Christen und Kirche nach dem Neuen Testament zu sein.
In Deutschland nennen sie sich auch "Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden". Die jeweils selbständigen Ortsgemeinden sind überregional in einem Gemeindebund vereinigt, der die Aufgaben übernimmt, die eine einzelne Gemeinde nicht zu leisten vermag, wie z.B. Ausbildung von Pastoren und Förderung der Mitarbeiter. Andere Eigenheiten sind, dass sie sich von Anfang an für die Trennung von Kirche und Staat und für die Glaubensfreiheit eingesetzt haben.
Für das einzelne Gemeindemitglied sind vor allem drei charakteristische Prägungen zu nennen:
. die Liebe zur Bibel, in der die meisten täglich lesen, um daraus Weisung und Kraft für ihr Leben zu empfangen,
. die lebendige Gemeinschaft mit anderen Christen
. und der Wunsch, ein ansteckendes Christsein zu leben.

Weil das nicht ohne die Hilfe des Heiligen Geistes möglich ist, wächst bei vielen auch eine neue Offenheit gegenüber seinem Wirken und Reden. Über die eigene Gemeinschaft hinaus wissen sie sich mit allen Menschen verbunden, die Jesus nachfolgen. Darum suchen sie die Gemeinschaft mit anderen Christen auch über die eigene Gemeinde hinaus und arbeiten mit ihnen zusammen, z.B. bei diakonischen Aufgaben, in der Ev. Allianz oder bei Großveranstaltungen wie Pro-Christ.
In Deutschland gehören die Baptisten zur "Vereinigung Evangelischer Freikirchen" und zur "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen". Obwohl es für sie zur Taufe unbedingt gehört, dass sie im persönlichen Glauben empfangen wird, erkennen sie jeden als Christen und ihren Bruder an, der an Jesus als den Sohn Gottes und seinen persönlichen Herrn glaubt.
An ihren Abendmahlsfeiern kann jeder teilnehmen, der das für sich sagen kann. Weil es für sie vor allem auf den persönlichen Glauben ankommt, gibt es auch einen großen Kreis von Gästen und Freunden, die regelmäßig an den Veranstaltungen teilnehmen und häufig an wichtigen Stellen mitarbeiten.


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